Von Kassettenkindern und Brausebonbons

Wir machen ja bei wirklich jedem Gewinnspiel mit, bei dem es irgendwas nicht unbrauchbares zu gewinnen gibt und so kam es, dass wir vor ein paar Tagen ein kleines gelbes Paket bekommen haben. Ein Kassettenkinderpaket.

In den Paket war ein Buch…

…und eine ganze Menge anderer, lustiger Sachen.

Ähm, nein… das ist kein Weihnachtsohrschmuck. Das ist eine mini Diskokugel.

Genau, an der Wohnzimmerlampe, bei seinen großen Brüdern, da macht sich die viel besser, als am rechten Ohr.

So als Gürtel des 21ten Jahrhunderts mussten wir uns erstmal erklären lassen, was denn eine Kassette ist. Das war, hat uns die Menschin erklärt, der Ururopa zur Musik als mp3. Walkman hieß der Vorfahr zu unserem iPod, in dem man diese Kassetten überall abspielen konnte und unhandlicher war er auch.

Kurzer Hand drückte uns die Menschin den Dachbodenschlüssel in die Pfoten: mitkommen!
Dort haben wir ein orangenes Karrussell gefunden. Doch das ist nicht zum Mitfahren, sondern da sind so schwarze Dinger drinnen. Das sind Kassetten.

So sehen diese Kassetten also aus.

Und da, auf diesem dunkelgrauen Band, da waren die Bits die Musik drauf.

Wenn Drrrr nicht aufpasst, dann gibt es Bandsalat, sagt die Menschin. Da mussten wir natürlich ganz gleich ausprob…. ooops.

Zum Glück gibt es auch gegen Bandsalat ein Rezept. Das heisst Bleistift. Das war sozudrrren die Resettaste an der Kassette.

Spannend… und irgendwie umständlich… oder?

Jetzt, da wir wissen wie das mit so einer Kassette so war, schnappe ich mir einen der leckeren Brauselutschern und das Buch dazu. So ein Buch aus Papier, das st ja schon recht ungewohnt. Da muss drrrr blättern, statt mit der Nase in die Ecke zu stupsen. Und abends muss das Licht angeschaltet werden, weil das Buch gar nicht selber leuchtet. Echt retro *hihidrrr*.

Das Buch ist (mit Licht an) leicht zu lesen. Doch an so mancher Stelle, waren wir echt entsetzt. Diese Kassettenkinder hatten eine Antenne am Fernseher und die musste man manchmal festhalten, dass das Bild da blieb? Dazu gab es eine Programmzeitung, weil die Filme nur einmal kamen und man sie genau dann anschauen musste, oder eben gar nicht. Aber, aber, aber dafür gibt es doch das Internet.

Google hieß damals Brockhaus und stand im Regal. Amazon hieß Quellekatalog und war auch aus Papier.

Um Fotos zu knipsen, brauchte drrrr Filme. Da passten gerade mal 24 Bilder drauf und bis die Fotos angeguckt werden konnten, musste mehrere Tage lang gewartet werden. Verrückt! 24 Fotos, das macht unsere Menschin (heute) doch in 10 Minuten. Mindestens.

Das Buch erzählt noch von vielen anderen – aus Sicht eines Gürtels im Jahr 2016 – total verrückten Sachen. Aber so manches, das klingt echt drrrastisch.

Obst im Supermarkt nur jahreszeitabhängig kaufen zu können, das finden wir gut – wer braucht bitte Erdbeeren zu Weihnachten, die tausende Kilometer um den Erdball gefahren wurden und irgendwo unterwegs ihren Geschmack an’ner Mautstation abgegeben haben.

Im Urlaub möglichst nicht als Deutscher auffallen wollen, das hat sich auch nicht geändert…. oder ist wieder so… na zum Glück sind wir alle keine Deutschen, sondern (Wahl-)Allgäuer.

Am Ende waren wir aber doch froh, dass wir unseren iPod, Onkel Google, bleifreies Benzin und ein Telefon ohne Wählschreibe haben. Aber also diese Brausebonbons, die nehmen wir gerne öfter!

Waren die 80er ein rundum sorglos Paket, wie dieses Buch weitgehendst beschreibt, oder war es nur das Kindsein, das den Autoren das rundum sorglos Gefühl in Erinnerung behielt. Die Menschin konnte uns da auch nicht viel zu sagen, denn sie war selbst Kind in den 80ern. Aber an das Fürst-Pückler-Eis von Bofrost, an das kann sie sich noch erinnern. Wir haben nichts verpasst, sagt sie.

Auf jeden Fall ein ganz drrrrrastisches Dankeschön, lieber Stefan Bonner und liebe Anne Weiss für das Buch und das tolle Paket.

…irgendwo hier haben wir doch auch noch so einen „Atomkraft, nein Danke“ – Aufkleber gesehen.